Aus der Geschichte unserer Feuerwehr

 

Die feuerwehrtechnische Entwicklung

Unter den historischen Gerätschaften unserer Feuerwehr befindet sich noch eine alte Saug- und Druckspritze. Dieses heute noch stolze Gerät trägt als Baujahr die Jahreszahl 1888. Aber es dauerte noch 60 Jahre bis es zur Gründung unserer Freiwilligen Feuerwehr kam. Vor dem Jahr 1948 gab es in Hattenrod lediglich eine Pflichtfeuerwehr. Die Gründungsversammlung der Freiwilligen Feuerwehr fand am 1. Juni 1948 im Rathaussaal statt. 39 Männer unterzeichneten die Gründungsurkunde. 

Im ersten Jahr wurden auch gleich 7 Übungen abgehalten, 5 planmäßige und 2 außerplanmäßge. Die beiden letztgenannten dienten dazu, die vorhandenen Geräte zu prüfen und instand zu setzen. Die Ausrüstung und Unterbringung während der ersten Jahre müssen aber als mangelhaft bezeichnet werden. Von diesen Umständen zeugen einige Anträge der Freiwilligen Feuerwehr an die Gemeindevertretung. Dennoch wurde der Ansatz für die Feuerwehr von 910,- DM auf 300,- DM gekürzt; doch die Einsicht hier wesentliches zu verbessern, setzte sich auch langsam unter den Parlamentariern durch. Im Jahr 1950 konnte die erste Motorpumpe angeschafft werden; sie wurde als gebrauchtes Gerät von der Berufsfeuerwehr Gießen für 550,- DM erworben. Diese Anschaffung konnte nur durch zusätzliche Spenden, Mitgliederbeiträge und die Einnahmen eines Tanzvergnügens vom 22. Mai 1949 getätigt werden. Damit wurde die räumliche Situation so eng, daß Geräte auch in einer Scheune untergestellt werden mußten. Als Spritzenhaus in dieser Zeit diente ein Raum im Rathaus.

Das Rathaus

Im Inventarverzeichnis von 1954 sind 205m B-Schläuche genannt, davon 85m gummiert und 120m Hanfschläuche. An C-Schläuchen sind 75 inventarisiert. Die Feuerwehr in dieser Zeit war in 5 Gruppen gegliedert. Neben dem ersten und dem stellvertretenden Wehrführer gab es den ersten und zweiten Signalisten, dann 1. die Rettungsgruppe, 2. die Hydrantengruppe, 3. die Motorspritzengruppe, 4. die Saug- und Druckspritzengruppe und 5. die Ordnungsgruppe. Im Jahr 1955 wurde in Eigenleistung das Gerätehaus im jetzigen Birkenweg errichtet. Die Gemeinde übernahm die Materialkosten, die Mitglieder der Wehr führten die Arbeiten aus. Die Einweihung fand am 6. Mai 1956 in Verbindung mit einem Löschbezirks-Feuerwehrfest statt. Bei diesem Fest wurde auch eine neue Motorspritze TS 8/8 an die Feuerwehr Hattenrod übergeben.

Der Regen kann jetzt bald kommen; der Rohbau wird fertig.

Nach der Vollendung: die Einweihung und das Fest.

 Im Jahr 1961 wurde die Löschwasserversorgung in Hattenrod wesentlich verbessert. Seit dieser Zeit stehen an den beiden Entnahmestellen, direkt an der Zisterne und mit dem Überflurhydrant am Rathaus ca. 320.000 Liter Löschwasser   unmittelbar zur Verfügung. Mit dem Einrichten des Schlauchtrockenturmes konnte 1965 die Schlauchpflege und –lagerung ordentlich durchgeführt werden. Auch ein Schlauchanhänger wurde angeschafft, dieser ist heute noch im Einsatz. In den 60er Jahren ließ die Bereitschaft in der Einsatzabteilung mitzuwirken nach. Die Zahl der Einsatzkräfte ging so stark zurück, daß für 3 Jahre eine Hilfsfeuerwehr zur Verbesserung der Personalstruktur ins Leben gerufen werden mußte.

In 1970 wurde dann ein Löschgruppenfahrzeug 8 an die Feuerwehr übergeben. Diese Anschaffung war für die kleine, damals noch selbständige Gemeinde Hattenrod nur durch eine Sammelaktion innerhalb der Bürgerschaft und großzügiger Spenden von Hattenröder Unternehmen möglich.

1974 konnte eine Jugendfeuerwehr ins Leben gerufen werden. Dadurch war unter anderem der Nachwuchs für die Einsatzabteilung nachhaltig gewährleistet – und dieses unter schwierigen räumlichen Voraussetzungen. Das 1955 errichtete Gerätehaus war zwar zu dieser Zeit mit seinen zwei Fahrzeugboxen vorbildlich im Kreisgebiet – aber leider ohne weiteren Raum. Die Jugendstunde konnte in der Anfangszeit noch im Rathaussaal abgehalten werden, jedoch nach dem Verkauf des Rathauses durch die Gemeinde (jetzt Reiskirchen), an eine Privatperson, war auch dieses nicht mehr möglich. Auch die Schule wurde verkauft, so daß nur noch ein Saal im neu errichteten Dorfgemeinschaftshaus zur Verfügung stand. Diese Situation wird sich erst jetzt, 20 Jahre später, mit dem Bezug der Räume im neuen Gerätehaus ändern.   

Seit Mitte der 80er Jahre gab es massive Überlegungen die Unterbringung der Hattenröder Feuerwehr zu verbessern. Die Landesgesetze schrieben Räume für die Ausbildung und auch Sanitärräume vor. Erste Überlegungen gingen dahin, das bestehende Haus im Birkenweg entsprechend auszubauen, dagegen sprachen die Grundstücksgröße und die Baugesetze. Eine weitere Möglichkeit wäre, am Dorfgemeinschaftshaus anzubauen um auch für andere Vereine Räumlichkeiten zu schaffen. Bei dieser Gelegenheit könne dann auch das undichte Flachdach saniert und für den Pächter der Gaststätte eine Wohnung geschaffen werden. Die Gemeindegremien beschlossen die zweite Idee in die Tat umzusetzen. Die Feuerwehr erklärte sich hierbei zu großer Eigenleistung bereit. Am 14. Mai 1994 wurde Richtfest gefeiert.

Der fast fertige Anbau des neuen Feuerwehrgerätehauses

 Das Löschgruppenfahrzeug wurde im Jahre 1990  20 Jahre alt. Schon lange vorher gab es Überlegungen  für einen entsprechenden Ersatz. Im Zuge der Gleichstellung aller Feuerwehren der Gesamtgemeinde sollte auch wieder ein LF8 beschafft werden. Aber durch die Änderung der Bezuschussungsgesetze konnte nur ein kleines Fahrzeug für Hattenrod gekauft werden. Mit dem Tragkraftspritzenfahrzeug Wasser, TSF-W, steht der Feuerwehr aber ein Gerät zur Verfügung, das den heutigen Einsatzgegebenheiten gut entspricht, besonders durch den mitgeführten Löschwasservorrat mit Schnellangriffseinrichtung. Außerdem ist mit dem in Hattenrod stationierten Manschaftstransportwagen (MTW), der für Einsätze und Übungen zur Verfügung steht, das Manko der fehlenden Transportkapazität für Einsatzkräfte behoben. Das TSF-W wurde der FF Hattenrod am 14. Mai 1994 im Rahmen des Richtfestes des Gerätehauses übergeben.

 

Freundschaftliche Beziehungen zu anderen Wehren und Gruppen

Seit den 80er Jahren pflegt unser Verein auch die Beziehung zu anderen Gruppen. Zunächst ist hier der regelmäßige Besuch des Weinfestes in Ohlsbach zu nennen. Seit 1981 wird durch eine kleine Gruppe das von der Musik- und Trachtenkapelle Ohlsbach veranstaltete Weinfest besucht. Außer dem Weingenuß kommt auch der Musikalische hierbei nicht zu kurz.

In 1988 besuchte uns eine Abordnung aus Leerhafe (Ostfriesland). Mit diesem Besuch begann eine Freundschaft zwischen unseren beiden Wehren, die jährlich durch einen offiziellen Besuch gefestigt wird. Aus dieser mittlerweile 10jährigen Freundschaft sind schon viele Kontakte auf privater Ebene entstanden.

Die gegenseitigen Besuche bei der Feuerwehr Nieder Kainsbach (Odenwald) sind zwar nicht so regelmäßig, dafür aber nicht minder herzlich. Diese Freundschaft besteht seit 1989.

Ausschnitt aus dem Gießener Anzeiger vom 19. September 1988

 

Die Feuerwehr im Hattenröder Vereinsleben

In den ersten Jahrzehnten unseres Bestehens wurden bis auf wenige öffentliche Tanzabende nur Familien- und Kameradschaftsabende durchgeführt. Seitdem im Jahr 1976 das Dorfgemeinschaftshaus eingeweiht ist, steht auch ein entsprechender Saal zur Verfügung. Ab dem Jahr 1977 wird von der Feuerwehr eine Faschingsveranstaltung mit Büttenreden, Tanz- und Gesangsvorträgen durchgeführt, seit 1991 zusammen mit dem Sportverein und dem Gesangverein. Noch vor Fertigstellung der Grillhütte, wird seit 1977 regelmäßig ein Sommernachtsfest auf dem Hattenröder Hausberg, dem Ziegenberg, veranstaltet.

 

Illustrationen der Zeit

Wettkampfgruppe Anfang der 50er Jahre

Um 1958, die neue Pumpe wird getestet

Um 1958, die neue Pumpe wird getestet

     

Wettkampfgruppe 1968 in Lindenstruth

Wettkampfgruppe 1971 in Hungen

Das neue LF8 um 1971

     

Wettkampfgruppe um 1975

Fahrzeugaufstellung im alten Gerätehaus

Leistungsgruppe im Jahre 1998

 

Nachahmenswertes, Denkenswertes, Nachdenkliches und Bedenkliches

In 1950 bringt die Freiwillige Feuerwehr eine Bierzeitung heraus. Jeder Aktive wird mit einem Vers auf seine Stärken und Schwächen bedacht. Man beachte die flotten Sprüche auf der Titelseite:

 

Bei einem Familienabend 1955 sollte auch eine Tombola durchgeführt werden. Selbstverständlich wurden die Mitglieder zu Spenden aufgerufen. Es gingen ein:

12 Eimer, 2 Bücher, 9 Flaschen Wein, 2 Sahnekännchen, 6 Stück Seife, 1 Teppich-klopfer, 1 Flasche Sekt, 2 Flaschen Schnaps, 1 Fahrradmantel, 1 Paar Laufsohlen, 10 Taschenlampen, 5 Eier, 2 Handtücher, 1 Feuerzeug, 1 Flasche Likör, 2 Ab-trockentücher, 1 Glasschüssel, 1 Tortenplatte, 1 Aschenbecher, 1 Gutschein für 40 Weck oder Stückchen oder Amerikaner, 1 Kaktus und 71,- DM von denen weitere schöne Sachen gekauft werden konnten.

 

Bitte um Spende für den Familienabend 1955. Warum soll es den  Unternehmern anders ergehen als den Mitgliedern?

 

Frauen in der Freiwilligen Feuerwehr: Am 18. März 1984 werden die ersten Frauen aufgenommen:

Auszug aus dem Gießener Anzeiger vom 25. März 1984

 

Eintrittserklärung der ersten Damen der Feuerwehr Hattenrod Reaktion der Feuerwehr

 

Schüsse auf den Schlauchtrockenturm

Im November 1973 meldet der Gerätewart Alwin Menz Einschußlöcher in der Verkleidung des Schlauchtrockenturmes. „Man ist sich seines Lebens nicht mehr sicher!“
Eine Eingabe bei der Gemeinde bleibt jedoch ohne Ergebnis.